ASIEN – Nr. 115 (Juli 2010)
ASIEN – Nr. 115 (Juli 2010)

Einführung: Ostasien zwischen Diktatur und DemokratieAurel Croissant

ASIEN – Nr. 116 (2010) pp. 16–20

Das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts war bekanntermaßen geprägt durch den (fast) weltweiten Siegeszug der Demokratie. Nach Berechnungen des amerikanischen Freedom-House Instituts stieg die Zahl der „elektoralen Demokratien – also jene politischen Systeme, die einen regelmäßigen und mit friedlichen Mitteln ausgetragenen, hinreichend freien und fairen Wettbewerb um politische Ämter stattfindet – zwischen 1974 und 2000 von 39 auf 120 (siehe Abb. 1). Mit Ausnahme des Nahen und Mittleren Osten erreichte die sogenannte „Dritte Demokratisierungswelle“ (Huntington) alle Weltregionen einschließlich Ost- und Südostasien. Alleine in dieser Region stieg die Zahl der Demokratien von einer im Jahre 1980 (Japan) auf acht (2002). Unter dem historischen Eindruck des Zusammenbruchs der kommunistischen Systeme in Osteuropa formulierte der Politologe Francis Fukuyama 1992 seine populär gewordene These vom Ende der Geschichte. Fukuyama argumentierte, dass die westlichen Werte des demokratischen und wirtschaftlichen Liberalismus endgültig den Sieg über konkurrierende politische und wirtschaftliche Ordnungsvorstellungen davon getragen hätten. Liberale Demokratien und Marktwirtschaft seien nun, am Ende des 20. Jahrhunderts, ohne Konkurrenz…