Afghanistans beschwerlicher Weg der DrogenbekämpfungSilke Bellmann
ASIEN – Nr. 106 (2008) pp. 53–59
Kein anderes Land der Welt exportiert in einem derartig großen Maße Drogen wie Afghanistan. Die Rohopiumgewinnung im Land hat im vergangenen Jahr eine neue, nie gekannte Dimension erreicht und übersteigt nun das durchschnittliche Volumen der 1990er Jahre um mehr als das Dreifache. Seit dem Sturz des Taliban-Regimes im Dezember 2001 hat sich die Anbaufläche von Schlafmohn Jahr für Jahr vergrößert und die produzierte Menge an Rohopium und Heroin erhöht. Mittlerweile beträgt der Exportwert der Opiate geschätzte dreieinhalb bis viereinhalb Milliarden US-Dollar im Jahr oder – anders ausgedrückt – 53 Prozent der Summe des legal erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukts Afghanistans.1 Das Drogengeschäft destabilisiert das Land enorm, indem es zur Finanzierung staatsfeindlicher Gruppen beiträgt. Nationale und internationale Anstrengungen zur Unterbindung des illegalen Drogenanbaus und -handels scheinen nicht zu gelingen. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die anhaltenden Kämpfe in den Hauptanbaugebieten im Süden Afghanistans und eine weit verbreitete, mit Straflosigkeit einhergehende Drogenkriminalität und Korruption im afghanischen Staatsapparat. Die internationale Staatengemeinschaft muss sich weitaus aktiver und stärker in die Drogenbekämpfung einbringen…











